marie s. ueltzen

erstickungen

12.3. - 23.4.22

[DE]

Marie S. Ueltzen arbeitet mit einer ungewöhnlichen Verbindung von Malerei, Text und Stickerei. Die auf diese Weise entstehenden Bildteppiche erzählen große Themen anhand der kleinen, kuriosen Erstickungen des Alltags. Es geht um das Zwischenmenschliche, um Lust, Liebe, Zerrissenheit, Schmerz, Angst und Verlust.
Man möchte schreiben, sie ver-webt, sie ver-knüpft diese Themen miteinander… Aber Marie S. Ueltzen stickt. Und zwar mit einem 700 Jahre alten Klosterstich. Damit hat sie sich ein Handwerk angeeignet, das auch heute noch zu den stark weiblich gelesenen Kulturtechniken zählt. Weiblichkeit ist eines der zentralen Themen in Marie S. Ueltzens Werk. Sie verhandelt Weiblichkeit in einem Spannungsfeld aus gesellschaftlichen Zuschreibungen und eigenem Er- und Ausleben.
Die Schwere der Themen steht dabei in scharfem Kontrast zu der vermeintlichen Harmlosigkeit des Stickens. Der Entstehungsprozess dahinter ist langsam, zeitintensiv, anstrengend, meditativ und gibt den mutmaßlich unwichtigen Details Bedeutsamkeit. So liegt der Schlüsselmoment des Narrativs bei Marie S. Ueltzen häufig in den unscheinbaren Symbolen. Sie erzählen die Geschichte weiter oder blicken auf zuvor Geschehenes zurück.
Und so braucht es einen zweiten oder dritten Blick auf zunächst mild erscheinende Szenen, um darin auch die Abgründe und Tiefen der menschlichen Seele zu entdecken. Immer erzählt mit einem Augenzwickern.

[EN]

Marie S. Ueltzen works with an unusual combination of painting, text and embroidery. The tapestries created in this way tell big stories through the small, curious Erstickungen of everyday life. They speak of the interpersonal, of lust, love, conflicts, pain, fear and loss.
One would like to write she interweaves those topics. But Marie S. Ueltzen embroiders. Using a 700-year-old monastery stitch. In doing so, she has acquired a craft that even today counts as a cultural technique that is strongly read as feminine. Femininity also is one of the central themes in Marie S. Ueltzen‘s work. She negotiates femininity between social attributions and her own apprehension.
The seriousness of the themes dealt with stands in sharp contrast to the supposed harmlessness of embroidery. The process of creation is slow, time-consuming, exhausting, meditative, and gives significance to the presumably unimportant details. Thus, the key moment of the narrative in Marie S. Ueltzen‘s work often lies in the inconspicuous symbols. They tell the story further or look back on what has happened before.
And so, it takes a second or third look at scenes that at first seem rather mild, to discover the abysses and depths of the human soul that also lie within them. Always told with a twinkle in the eye.